"Joschi, dein Whiskey ist gut." Eine verschmitzte Hommage an Joe Cocker, das Kompliment von Sänger Michael Andes zum Einstieg ins Programm von "Hitchcock Railway". Die 11-köpfige Band, deren Mitglieder aus Rheinland-Pfalz und Hessen kommen, schätzt an ihrem Kreuznacher Auftrittsort, dem Lokal Dudelsack, aber mehr als nur das Getränkeangebot. In der nicht allzu weitläufigen Musikkneipe ist man mittendrin im Publikum, das ideale Wohnzimmer-Feeling stellt sich da gleich ein. Jürgen Picard, genannt Joschi, der im Dudelsack seit Sommer 2008 Regie führt, sorgt zudem bei den Konzerten für gutes Raumklima: So lange die Musik spielt, wird nur draußen geraucht. Das hat den weiteren Vorteil, dass auch Gäste unter 18 Jahren die Bands im Dudelsack hören können.
Den Cover-Weltmeister Cocker zu covern, die Idee ist Sänger Andes nach einem Konzert des Meisters gekommen. "Hitchcock Railway" nannte man das Projekt nach einem Titel von José Feliciano, der mit dem Bluesrock-Sänger aus Sheffield zum Hit wurde. Seit einem Jahr ist die Formation mit Bläsersatz und einer gepflegten Auswahl an Cocker-Hits, die von 1969 bis 2007 reicht, erfolgreich unterwegs. Dem "Dudelsack" stattete man jetzt schon den zweiten Besuch ab. Das Cocker-Covern wird locker, aber versiert gehandhabt: Das trifft sowohl für die Stimme von Michael Andes zu, die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Original-Reibeisen-Organ hat, als auch für die sorgfältig ausgetüftelten Song-Arrangements. Eins zu eins abkupfern ist nicht, dafür hat "Hitchcock Railway" viel zu viele kreative Notenkundige in seinen Reihen.
So macht man beim Gesang und bei der Instrumentierung mit Lust Gebrauch von der Freiheit des Interpreten. Die Bläsergruppe mit Sascha Kleber (Trompete), Stefan Hautschek (Saxofon) und (aushilfsweise) Torsten Klein (Saxofon) mischte kräftige Soulfarben in bekannte Stücke wie "Trust in Me" oder den Beatles-Klassiker "She came in through the Bathroom Window". Das grundsolide Bandgerüst - mit Peter Schnur am Piano, Adrian Reinländer an der Gitarre, Bassist Mathias Buchta und Schlagzeuger Andi Harth - wird hörbar beim Cohen-Song "First we take Manhatten".
Auch der variable Einsatz der drei Sängerinnen verschaffte dem Gebläse-Trio Gelegenheit, mal zu verschnaufen und am Glas zu nippen. Dass man mehr als Background-Tauglichkeit zu bieten hat, zeigte etwa Anja Beck-Harths Interpretation von "Have a little Faith in Me".